Internet-Stoppschilder: Stuss statt Nachrichten

Ich weiß, dass dieses „Internet“  meiner Mutter Angst macht, obwohl die beiden sich gar nicht persönlich kennen.

Soviel Angst sogar, dass es bei meiner Mutter schon Panik auslöst, dass ihr Telefonanschluss theoretisch auch Internet „kann“, obwohl sie es praktisch gar nicht nutzt. Und „nicht braucht“.

Immer wenn ich mich frage, warum das so ist, liefern mir die RTL-„Nachrichten“ die Antwort. Da heißt es z.B. heute:

„Um den Austausch von Kinderpornographie wirksam zu verhindern, hat der Bundestag gestern beschlossen, dass kinderpornographische Seiten im Internet nunmehr vollständig gelöscht werden sollen. Bisher wurden sie nur gesperrt.“

(„RTL-Aktuell“, 2.12.2011, 18:45 Uhr; Die Hervorhebung von „vollständig“ symbolisiert die bedeutungsschwangere Betonung des Begriffs durch den Sprecher und Grimmepreisträger P. Kloeppel).

Das Problem dabei ist natürlich, dass es einerseits irgendwie stimmt, dass der Bundestag gestern irgendwas beschlossen hat, was mit diesem Internet zu tun hat. Und mit Kinderpornographie.

Allerdings: meint RTL offenbar (oder sagt das jedenfalls), dass bis vorgestern Kinderpornographie im Internet nicht gelöscht wurde, wenn sie entdeckt wurde  –  vielleicht sogar irgendwie erlaubt war. Irgendwie konnte oder sollte das wohl bisher nicht „gelöscht“ werden. Sondern halt nur irgendwie gesperrt oder so.

Tatsächlich ging es gestern allerdings allein darum , dass das – niemals in Vollzug gesetzte – „Zugangserschwernisgesetz“ aufgehoben wird. Das ist das Gesetz mit diesen Stoppschildern. Das gibt’s jetzt  nicht mehr. Ergebnis: Ein Gesetz weniger. Nicht: eines mehr.

Oh Gott, und nun !?! Naja, nun wird mit kinderpornographischen Seiten halt weiter das gemacht, was mit ihnen vor der Einführung des Zugangserschwernisgesetzes, sowie während der Geltung dieses Gesetzes auch schon gemacht wurde:

Sie wurden und werden, Trommelwirbel: Jawohl:

Gelöscht!!!*

Deswegen: „Löschen statt Sperren„.  Vielleicht gibt’s in Zukunft auch mal wieder weniger Stuss statt Nachrichten. Hier könnte man sich orientieren.

*) Übrigens immernoch nicht „vom BKA“, liebes RTL, sondern z.B. vom zuständigen ISP.

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