Siebzehn Jahr, Blondes Haar

…so stand sie vor mir – Das sang Udo Jürgens, und er ist, nach allem, was man weiß, dafür bislang weder gesellschaftlich geächtet noch ins Gefängnis geworfen worden. Man darf sogar getrost davon ausgehen, dass diese Zeilen auf so manchem CDU-Frühjahrsfest zu vorgerückter Stunde lauthals mitgegrölt wurden. Das ist aus meiner Sicht ein Aspekt der von Boetticher-/Facebook-Affäre, man nennt ihn landläufig „Doppelmoral“.

Einen anderen hat Swen Wacker im Landesblog heute aufgegriffen:

[W]ollen wir das? Wollen wir wirklich noch stromlinienförmigere Kandidaten ohne kleinsten menschlichen Fehl? Wollen wir also parteiinterne Kommissionen, die potentielle Kandidaten zunächst auf Seitensprünge, öffentliches Popeln, nicht gemachte Führerscheine oder bevorzugte Stellungen im Geschlechtsverkehr untersuchen?

Spannende Frage. Angesichts der Beliebigkeit moralischer Maßstäbe (17 Jahre hier, 16 da, offenbar ein großer Unterschied) und des angeblichen „Erpressungspotentials“, das dahintersteht, ist sie eigentlich leicht zu beantworten – Will man die Menschen nicht noch mehr vom Engagement in der Politik abschrecken, als ohnehin schon.

Womit ich nicht sagen will, dass ich gerade von Boetticher für charakterlich besonders geeignet gehalten hätte, den Posten des Ministerpräsidenten zu bekleiden. Dafür geriet die Abschiedspressekonferenz dann doch ein bischen arg  theatralisch und tränenreich.

Mit denen beweinte der Gestrauchelte nämlich offenkundig nicht seine längst verlorene, angebliche „Liebe“ – sondern sich selbst und seine verlorene  Karriere.

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